Aluminium Lexikon – der Werkstoff von A–Z

Webers "Taschenlexikon Aluminium" beinhaltet die wichtigsten Fachbegriffe der Aluminium-Industrie und informiert über Wissenswertes rund um das Thema Aluminium von A wie Alaun bis Z wie Ziehen. Es ist als Einstieg in die Beschäftigung mit dem Werkstoff gedacht.

Tiefziehen

Verpackungen wie Schalen, Getränkedosen, und Flaschenverschlüsse werden in der Regel durch Tiefziehen hergestellt. Dabei handelt es sich um ein Umformverfahren, das nichts mit Ziehen zu tun hat. Ein Zuschnitt aus Bändern oder Blechen (eine so genannte Ronde oder Butze) wird durch einen Ziehring hindurch von einem Stempel zu einer Hohlform von der Gestalt des Stempels gedrückt.

Die Endform kann in einem oder in mehreren "Zügen" erreicht werden. Da der Vorgang bei Raumtemperatur stattfindet, verfestigt sich das Aluminium infolge Kaltverformung; für gewisse Produkte kann daher zwischen den Zügen eine Wärmebehandlung (Zwischenglühen) zum Rückgängigmachen der Verfestigung notwendig werden. Um zum Tiefziehen geeignet zu sein, muss das Aluminium ein feines Korngefüge haben; zudem ist eine Festigkeit zwischen hart und weich ebenso von Vorteil wie (wegen verminderter Neigung zu Rissen) geringere Reinheit als die von Reinaluminium.

Eine Variante des Tiefziehens ist die Kaltstreckverformung. Bänder, Folien oder Verbundpackstoffe lassen sich, ohne dass das fest eingespannte Material nachfließt, zu Näpfen (zum Beispiel Schalen für Fertiggerichte oder Tierfutter, siehe Verpackungen) drücken.

Für vereinzelte Anwendungen interessant ist das Drücken "superplastischer" Legierungen des Aluminiums, zum Beispiel mit 6 Prozent Kupfer und 0,5 Prozent Zirkon. Diese lassen sich über das Zehnfache ihrer Länge strecken, wenn das Korngefüge sehr fein ist (Korngröße unter zehntausendstel Millimetern) und hohe Umformtemperaturen sowie (sehr niedrige) Umformgeschwindigkeiten eingehalten werden. Hoher Maßgenauigkeit auch bei schwierigsten Formen und geringen Werkzeugkosten steht die lange Umformdauer entgegen.