Aluminiumstrangpressindustrie 2019 – Voraus Geringste!

Die Aluminiumstrangpressindustrie hat den Kurs im Jahresrückblick 2018 gehalten. Dieser verlief jedoch keineswegs stetig: hieß es zu Jahresbeginn noch „Äußerste Kraft Voraus!“, so führte die Umstellung auf WLTP in der zweiten Jahreshälfte zu „Maschine stop!“.

Strangpressprofil

Begleitet wurde die Industrie auf ihrem Kurs von zahlenreichen Risiken: Rohstoffversorgung, Importzölle der USA auf spezifische Aluminiumprodukte, Importkonkurrenz etc. Die Risiken in 2019 dürften kaum geringer sein: Brexit, andauernder Handelsstreit, eingetrübte Konjunkturentwicklung, drohende Strafzölle auf Automobile, die Entwicklung in China etc. Insbesondere für die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft wirkt dies wie Sand im Getriebe. Und Deutschland ist innerhalb Europas der bei weitem größte Markt für Strangpressprodukte. Angesichts dieser Rahmenbedingungen heißt das neue Kommando „Voraus Geringste!“ und zeugt von verhaltendem Optimismus!

Die europäische Industrie hat im Jahr 2018 rund 3,4 Millionen Tonnen Strangpressprodukte hergestellt. Strangpressprodukte finden in der Industrie, dem Bausektor und anderen Märkten Verwendung. Innerhalb der Industrie ist der Verkehrssektor von herausragender Bedeutung.


Bild 1: Produktion von Strangpressprodukten in Europa von 2005 bis 2018 in Kilotonnen / Quelle: GDA und European Aluminium




Deutschland - Europas größter Markt für Strangpressprodukte
Von den 3,4 Millionen produzierten Strangpressprodukten in Europa werden alleine eine Millionen Tonnen von deutschen Kunden geordert. Deutschland ist mit einem Anteil von knapp einem Drittel der bei weitem größte Abnehmer für die europäische Strangpressindustrie. Deutschland ist weiterhin einer der größten Produktionsstandorte innerhalb der europäischen Aluminiumstrangpressindustrie und konnte seine Bedeutung in den letzten Jahren weiter festigen. Die Entwicklung im Automobilsektor spielte hier eine wichtige Rolle und wird dies auch zukünftig tun.

Bild2: Produktion von Strangpressprodukten in Deutschland von 2005 bis 2018 in Kilotonnen / Quelle: GDA


Die Strangpressproduktion in Deutschland lag im Jahr 2018 mit 579.000 Tonnen 0,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Ausbringung von Profilen - dem quantitativ wichtigsten Produktsegment – ging um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Hauptgrund waren die zu Beginn genannten WLTP-Umstellungsprobleme. Den zweitgrößten Anteil an der Produktion haben Stangen. Hiervon wurden insgesamt 51.600 Tonnen hergestellt. Dies entspricht einem Anstieg von 10,3 Prozent im Jahr 2018. Die Produktion von Rohren lag im Jahr 2018 bei 9.200 Tonnen (minus vier Prozent).

Der deutsche Bedarf an Strangpressprodukten - definiert als Inlandsablieferungen plus Importe - belief sich im Jahr 2018 nach ersten Hochrechnungen auf 1.045.000 Tonnen (siehe Abbildung 3). Dies entspricht einem Anstieg von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bild 3: Deutscher Bedarf an Strangpressprodukten von 2005 bis 2018 in Kilotonnen / Quelle: GDA und Statistisches Bundesamt



Entwicklungen beim Außenhandel: Importdruck steigt
Die Einfuhren von Strangpressproduktion der Europäischen Union haben 2018 hochgerechnet um vier Prozent zugelegt. Am meisten haben China (plus 15 Prozent), die Türkei (plus 19 Prozent) und die Schweiz (plus 11 Prozent) von dieser Entwicklung profitiert. China kommt auf einen Importanteil von 34 Prozent und die Türkei auf immerhin 24 Prozent. Die Bedeutung der Schweiz beträgt hingegen lediglich acht Prozent.

Die deutschen Importe sind im Jahr 2018 hochgerechnet um drei Prozent angestiegen. Überdurchschnittliches Wachstum war ebenfalls aus China (plus 32 Prozent) und der Türkei (plus 12 Prozent) zu verzeichnen. Darüber hinaus jedoch insbesondere aus Italien (plus acht Prozent) sowie Griechenland (plus 18 Prozent).

Für die deutsche Strangpressindustrie ist das Vereinigte Königreich eine wichtige Exportdestination. Bereits im Jahr 2018 waren hier die Exporte um drei Prozent rückläufig. Direkt stehen für die deutschen Unternehmen bis zu fünf Prozent der eigenen Produktion durch die Folgen des Brexit auf dem Spiel. Die indirekten Risiken dürften um ein Vielfaches höher liegen.

Voraus Geringste!
Nach derzeitigen Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds und anderer Institutionen wird sich die Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft in diesem Jahr abschwächen. So kommen aktuelle Prognosen für 2019 auf ein Wachstum des realen BIP von 3,5 Prozent. Für das Euro-Währungsgebiet wird ein Anstieg von 1,6 Prozent angenommen. Für das reale Bruttoinlandsprodukt in Deutschland wird für dieses Jahr ein Wachstum von lediglich 1,3 Prozent erwartet.

Die Industrieproduktion in der Eurozone soll 2019 um ein Prozent zulegen und in der Bauwirtschaft wird ebenfalls mit einem Wachstum in dieser Größenordnung gerechnet. Die deutsche Industrie wird sich diesem leicht positiven Trend anschließen. Für die deutsche Bauindustrie (insbesondere im Hochbau) wird in diesem Jahr hingegen nicht mit einem Wachstum gerechnet.

Insgesamt hat sich die Stimmung in der Strangpressindustrie gegenüber dem vierten Quartal letzten Jahres wieder etwas verbessert. So hat sich die Konjunktur zwar abgekühlt, die Kapazitätsauslastung bei den Herstellern von Strangpressprodukten ist jedoch überwiegend zufriedenstellend und es wird von einem leichten Nachfragewachstum ausgegangen. Also: Voraus Geringste! Dem liegt allerdings die Annahme zugrunde, dass die genannten Risiken nicht zum Tragen kommen. Ansonsten heißt es schnell wieder „Maschine stop!“

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