Aluminiumindustrie sieht Zoll- und Handelskonflikt mit Sorge

Die Stimmung der deutschen Aluminiumindustrie ist trotz aller politischen Unsicherheiten vorsichtig optimistisch. Die globalen Risiken nehmen zu.

Deutsche Aluminiumindustrie mit leichtem Absatzplus in 2018/ Erwartungen für 2018/2019 sind verhalten optimistisch / Globale Risiken nehmen zu

Christian Wellner
Christian Wellner, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des GDA

Die Stimmung der deutschen Aluminiumindustrie ist trotz aller politischen Unsicherheiten vorsichtig optimistisch. „Die Nachfrage aus den industriellen Absatzmärkten ist auf einem zufriedenstellenden Niveau“ sagte Christian Wellner, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des GDA, auf der Pressekonferenz zur ALUMINIUM 2018 in Düsseldorf, der weltgrößten Aluminiummesse. Getrieben durch die gute Nachfrage aus dem Automotive-Sektor zog die Produktion der deutschen Aluminiumunternehmen in den ersten neun Monaten 2018 noch einmal leicht an, so Wellner weiter. „Unsere Wachstumserwartungen sind weiterhin von Optimismus geprägt, die mittel- bis langfristigen Aussichten der Branche ebenfalls positiv, da der auch globale Aluminiumverbrauch beständig weiterwächst. Auch der deutsche Markt wird weiterwachsen, obwohl Deutschland bereits einer der weltweit größten Märkte für die Aluminiumindustrie ist. Der Standort Deutschland verfügt über das gesamte Spektrum der Produktion, Verarbeitung und Bearbeitung von Aluminium.“

Die deutsche Aluminiumindustrie blickt auf ereignisreiche Monate zurück. Das gilt sowohl für politische Ereignisse als auch für die Märkte. Die Aluminiumkonjunktur in Deutschland zeigte sich im 1. Halbjahr des Jahres 2018 von ihrer guten Seite. So konnten die Aluminiumproduzenten (+0,9%) und Halbzeughersteller (+0,4%) ihre Produktion in den ersten beiden Quartalen leicht steigern, während die Produktion der Weiterverarbeiter (-1,3%) leicht zurückging. „Die konjunkturellen Risiken für das 2. Halbjahr sind jedoch deutlich angestiegen: Handelsstreit, Strafzölle, Probleme beim „Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure“ (WLTP) etc. belasten die Entwicklung. Hinzu kommen Risiken der Rohstoffversorgung durch die Auswirkungen der US-Russlandsanktionen. Wir sehen diese Entwicklungen mit Besorgnis“, machte Christian Wellner in Düsseldorf deutlich.

Die US-Strafzölle in Höhe von 10 Prozent auf bestimmte Aluminiumprodukte hätten die Branche zunächst nicht besonders betroffen. „Aus deutscher Produktion wurden in die USA 2017 rund 82.000 Tonnen Aluminiumprodukte exportiert. Das waren zwei Prozent der gesamten deutschen Produktion. Dies scheint zunächst nicht viel, allerdings muss man hier berücksichtigen, dass es einige besonders exportintensive Unternehmen für die USA gibt, die mit einem erheblich höheren Anteil ihrer Produktion betroffen sind“, so Wellner. Dabei handele es sich um hochqualitative Aluminiumprodukte, die in dieser Qualität in den USA nicht hergestellt werden können. Die dortigen Verarbeiter seien auf die Produkte angewiesen und würden die Strafzölle bezahlen müssen. Nichtsdestotrotz bereiten diese Zölle Sorgen, denn damit habe der amerikanische Präsident weltweit Handelskonflikte ausgelöst, bzw. verschärft.

Zudem sei durch die US-Sanktionen gegen Russland insbesondere der Rusal-Konzern betroffen. Rusal ist mit 1,6 Millionen Tonnen der größte Aluminiumlieferant in die EU und auch in der gesamten Kette von der Rohstoffbeschaffung bis hin zur Hütte eng mit westlichen Partnern verbunden. Rusal betreibt unter anderem eine Aluminiumoxidfabrik im irischen Aughinish. Die Fabrik ist der größte europäische Produzent von Tonerde. Von dort werden europäische Primärhütten mit dem Rohstoff Aluminiumoxid beliefert, der für die eigene Herstellung in den europäischen Aluminiumhütten notwendig ist. Deshalb ist das Werk unverzichtbar für die Aluminiumoxid-Versorgung des europäischen Marktes. „Sollte Aughinish kurz- oder mittelfristig keine Tonerde mehr liefern können, drohen Produktionsausfälle, die Stilllegung von Anlagen sowie eine kostenintensive und monatelang andauernde Wiederinbetriebnahme von Hütten in Deutschland und Europa“, erläuterte Christian Wellner.

In seinem Statement machte Christian Wellner klar, dass der Handels- und Zollstreit gezeigt habe, wie wichtig die industrielle Basis in Deutschland sei. Diese müsse in jedem Fall gehalten werden. „Für unsere Industrie gilt das für die gesamte Wertschöpfungskette. Wir können auf die Metallerzeugung in Deutschland auf keinen Fall verzichten. Die verbliebenen Aluminiumhütten in Deutschland müssen zwingend gehalten werden und das Recycling als weitere Versorgungsquelle muss gestärkt werden.“

Insgesamt sieht Christian Wellner grundsätzlich keine konjunkturelle Abschwächung im 2. Halbjahr, rechnet jedoch aufgrund der gestiegenen Unsicherheit nur noch mit einem marginalen Produktionsplus für den Durchschnitt der Branche. Für die Zukunft zeigt er sich aber optimistisch: „Elektromobilität, Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder additive Fertigung – das sind einige der Megatrends, die der Aluminiumbranche in Zukunft weiteren Schub verleihen werden“. Die Aluminiumindustrie sei für diese Herausforderungen gut gerüstet, „bei uns werden die Produkte und Lösungen von Morgen (mit)entwickelt“, so Christian Wellner. Der Werkstoff Aluminium sei als global verfügbarer und einsetzbarer Werkstoff mit immer neuen Anwendungsmöglichkeiten ein Sinnbild für die technische Entwicklung im 21. Jahrhundert.

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